Zwei Seiten deutscher Geschichte

Projektfahrt Weimar-Buchenwald (Kl. 9)


„Glücklich Weimar“ – Von den Städten allen

Bist du kleine, wunderbar bedacht,

Man wird stets zu deinen Toren wallen,

Angezogen von der heil’gen Macht.

- Johann Peter Eckermann (1792-1854)

Johann Peter Eckermann, ein enger Vertrauter Johann Wolfang Goethes, erkannte in seinem Gedicht „Weimar“ das enorme Potenzial, das von dieser „kleine[n], wunderbar[en]“ Stadt ausging. Er beschreibt es als eine Art „heil’ge Macht“, die von den Künstlern, die in Weimar tätig waren, auch auf zukünftige Generationen ausstrahlt. Damit hat Eckermann recht behalten.

 

Das vielfältige Angebot macht Weimar auch in der heutigen Zeit zu einem pulsierenden Zentrum der Kultur. Im UNESCO-Weltkulturerbe „Klassisches Weimar“ befinden sich u.a. Goethes Wohn- und Gartenhaus, Schillers Wohnhaus oder die Anna-Amalia-Bibliothek. Das Bauhaus-Museum ist dem Architekturstil gewidmet, der hier seinen Ursprung hatte und das Deutsche Nationaltheater Weimar (DNT) setzt seinen eigenen Schwerpunkt in der Theaterlandschaft Deutschlands.

Einen klaren Bruch zu diesen Höhen der Kultur bildet das ehemalige Konzentrationslager Buchenwald. In der Zeit des Nationalsozialismus‘ wurden hier 250.000 Menschen gefangen gehalten, von denen mehr als 56.000 Menschen starben. Das Lager war damit ein zentraler Bestandteil der Vernichtungsmaschine des Nationalsozialismus gegenüber Juden, Sinti und Roma und Andersdenkenden. Auf dem Hausberg Weimars, dem Ettersberg, gelegen, trennen die heutige Gedenkstätte Buchenwald nur wenige Kilometer von der glorifizierten Stadt Weimar.

 

Die Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen werden in der „Projektfahrt Weimar-Buchenwald“ mit der Frage konfrontiert, wie diese zentralen Teile deutscher Geschichte und Kultur zusammen passen. Wie ist es möglich, dass die Deutschen auf der einen Seite solche Heroen der Kultur wie Goethe oder Schiller hervorgebracht haben, auf der anderen Seite aber versuchten, auf brutalste Weise Menschen auszurotten? Mit dieser Fragestellung ist die Fahrt ein wichtiger Baustein unseres Schulprogramms, in dem das „Lernen in sozialer Verantwortung“ einen zentralen Stellenwert einnimmt.

Schülerinnen und Schüler des Konrad-Heresbach-Gymnasiums beim Hören eines Konzerts eines Musikchors aus den USA, der Lieder mit Bezug zum KZ Buchenwals aufgearbeitet hat. Rechts dahinter das Torgebäude.

Den Mittelpunkt der Fahrt bildet der eintägige Studientag in der Gedenkstätte Buchenwald, bei dem die Schülerinnen und Schüler mittels Filmvorführung, Führung und eigener Recherche die Geschichte der Insassen aufarbeiten. Weitere Bausteine sind die Erkundung Weimars und das Kennenlernen der wichtigsten Persönlichkeiten, wie Goethe, Schiller oder Eckermann. Der Besuch von Museen und Sehenswürdigkeiten, eine Theatervorführung mit Theaterworkshop und das Auseinandersetzen mit der Architekturrichtung des Bauhausstils ergänzen dies.

 

Fächerübergreifendes Arbeiten wird hier mit den Fächern Geschichte, Deutsch und Kunst ersichtlich. Mit einer leicht veränderten Herangehensweise können auch andere Fächer wie Musik mit Bach und Liszt in Weimar oder Religion mit der Herderkirche im Kernland der Reformation einen eigenen Schwerpunkt darstellen.

 

Unter diesen Voraussetzungen ist die Fahrt nach Weimar und Buchenwald für die Schülerinnen und Schüler seit der Pilotfahrt im Schuljahr 2010/11 ein wirklicher Gewinn, was auch in mehreren Evaluationen ersichtlich geworden ist. Hier erklären sie einen „tieferen Einblick in die Geschichte“ erhalten zu haben, wodurch sich „eine Veränderung der Sicht auf Weimar durch ein Eintreten in die Geschichte“ ergeben hat. Die Fahrt sei „historisch-kulturell bildend“ gewesen, habe „die Sicht auf den Nationalsozialismus“ verändert und schlussendlich „betroffen gemacht“.

 

Ansprechpartner für weitere Informationen: Herr Gerlach